Erweiterung des Frankfurter Goethe-Hauses: Das Deutsche Romantik-Museum

 

Das Deutsche Romantik-Museum soll den Erinnerungsort für eine Schlüsselepoche der deutschen und europäischen Geistesgeschichte bilden. Die Epochen der Aufklärung, der Klassik und der Moderne sind in Wolfenbüttel, Weimar und Marbach mit Museen von Weltgeltung vertreten. Hingegen gibt es noch keine vergleichbare Institution für die geistige Bewegung der Romantik. Diese Epoche wird international mehr als jede andere Zeitspanne westlicher Kultur mit Deutschland identifiziert. Auf der Grundlage der einzigartigen Sammlungen des Freien Deutschen Hochstifts soll sie in einem modernen interaktiven Museum präsentiert werden. Im Dialog mit Goethe-Haus und Goethe-Museum am Großen Hirschgraben in Frankfurt am Main wird das Romantik-Museum einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung und zur Reflexion europäischer Identität leisten.

© Freies Deutsches Hochstift – Frankfurter Goethe-MuseumFriedrich Schlegel: Notizen zur Philosophie, um 1805 © Freies Deutsches Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum

Basis für dieses evident fehlende Museum ist die weltweit einzigartige Sammlung zur Literatur der deutschen Romantik, die in den vergangenen 100 Jahren vom Freien Deutschen Hochstift, dem Träger des Goethe-Hauses seit 1863, hier zusammengetragen wurde. In den Archivkellern finden sich, der Öffentlichkeit unbekannt, die international umfangreichsten und vielseitigsten Bestände zu den Schlüsselfiguren der Epoche von Novalis über die Geschwister Brentano bis zu Joseph von Eichendorff. Sie wird ergänzt durch hochkarätige Sammlungen im Bereich der bildenden Kunst und der Alltagskultur der Zeit. Gleichzeitig ist das Hochstift seit einem halben Jahrhundert als international anerkanntes Forschungsinstitut zur Literatur der deutschen Romantik tätig.

Goethe-Museum

Gegenwärtig bietet sich die historische Chance, den schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelten Plan in unmittelbarer Nachbarschaft des Goethe-Hauses zu realisieren. Durch den im Frühjahr 2012 erfolgten Auszug des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ist das südlich direkt an das Goethe-Haus angrenzende Gelände jetzt zu Abbruch und Neubebauung frei geworden; es würde von der Stadt Frankfurt in Erbpacht zur Verfügung gestellt. Mit dem Bau des Romantikmuseums wird die historisch einmalige Chance genutzt, in direkter Anbindung an das Goethehaus den einzigartigen Sammlungsbestand der deutschen Romantik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Realisierung in der international geprägten Banken- und Messestadt Frankfurt wird das Phänomen Romantik auch als ein gesamteuropäisches in den Blick nehmen und ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt sein.

Das geplante Museum soll ein breites und heterogenes Publikum anziehen. Das direkt angrenzende Goethe-Haus hat zur Zeit ca.100.000 Besucher im Jahr. Die Zielgruppen des neuen Hauses werden denen des Goethehauses ähnlich sein:
• Die literatur-, kunst- und geschichtsinteressierten Besucher und Bildungseinrichtungen (Schulen, Volksschulen, Hochschulen usw.) aus der ganzen Bundesrepublik,
• ein besonders an der deutschen Kultur und Literatur interessiertes Expertenpublikum,
• die touristischen Gäste aus aller Welt (mit einem hohen Anteil asiatischer Gäste).

Das neue Museumsgebäude soll sich unmittelbar an die südliche Grundstückgrenze des Hochstiftgeländes anschließen. Vorgesehen sind Ausstellungsflächen von ca. 600 qm für die Gemäldegalerie der Goethezeit, 600 qm für die Epoche der Romantik, 600 qm Wechselausstellungsbereich sowie ein Eingangsbereich mit Kasse, Funktionsräumen, Museumsladen. Er wird dem neuen Museum zugleich mit dem benachbarten Goethe-Haus ein angemessenes Entrée bieten. Aus den Ausstellungsräumen fällt der Blick auf die rückseitige Fassade und den Hof des Goethe-Hauses, auf den Goethe-Garten und den historischen Teil der Hochstiftsgebäude. Der Wechselausstellungsbereich erhält eine direkte Anbindung an die Kellermagazine des Hochstifts.

Die Literatur der deutschen Romantik und das europäische Romantikverständnis wird Inhalt und Botschaft des Museums sein. Durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Goethe-Haus und -Museum trägt es zentral der Tatsache Rechnung, dass Goethe selbst weltweit als der wichtigste deutsche Romantiker gilt. Im Zentrum der Auseinandersetzung mit den kulturellen Leistungen der für die deutsche Geschichte und Politik folgenreichen Epoche wird im neuen Museum die Frage nach den literarisch und philosophisch fundierten Konturen des modernen westlich-europäischen Menschenbildes und dessen Realisierung im demokratisch verfassten Staat stehen. Im romantischen Aufbruch des ausgehenden 18. Jahrhunderts liegen wesentliche Wurzeln dieses Bildes. Dieser Aufbruchsgedanke wurde entscheidend vom jungen (Frankfurter) Goethe inspiriert, dessen spätes Konzept einer ‚Weltliteratur’ wiederum nicht ohne die europäischen Romantiker denkbar ist.

Das Ausstellungskonzept wird die Präsentation von hochkarätigen Originalen (Manuskripte, Graphik, Gemälde, Gebrauchsgegenstände) mit interaktiven und experimentellen Ausstellungsformen verbinden. Geplant ist ein ‚Erlebnismuseum’. Es soll eine multimediale – im romantischen Sinn synästhetische – Umsetzung von Schlüsselideen, Basiswissen und Personennetzwerken bieten. Ein breites Publikum kann dann im romantischen Zusammenspiel von Emotion und Reflexion den Errungenschaften einer gesamtkulturellen Bewegung und literarischen Blütezeit begegnen. Die Ideen der Romantik sind weit über die engeren Epochengrenzen hinweg (1790-1850) wirksam geblieben, sie haben Deutschland bis heute geprägt.

Für die Erstellung des neuen Gebäudes und die Einrichtung der Dauerausstellung einschließlich sämtlicher Museumstechnik wurde vorab eine Höchstsumme von 16 Mio. Euro bestimmt. Diese soll zu Dreivierteln von den drei öffentlichen Zuwendungsgebern des Hochstifts getragen werden. Bund und Land beteiligen sich mit je 4 Mio. Euro, die Stadt Frankfurt beteiligt sich mit den 1,8 Millionen Euro, der Hochstift und private Spender tragen 6,2 Millionen Euro der Kosten.

Spendenformulare können online unter https://deutsches-romantik-museum.de/spenden ausgefüllt werden.

Ein Benefiz-Dinner zugunsten des Deutschen Romantik-Museums mit einem Festvortrag des international gefeierten Regisseurs und Photographen Wim Wenders am 18. November 2017 hat zu einem herausragenden Spendenergebnis geführt. Insgesamt wurden im Rahmen der Benefiz-Veranstaltung im Grandhotel Hessischer Hof rund 1,3 Millionen Euro für das Deutsche Romantik-Museum gespendet.

Im Wettbewerb für das Deutsche Romantikmuseum in Frankfurt hat die Jury drei zweite Preise vergeben und die Überarbeitung der Entwürfe empfohlen. Die Preise dachte das Gremium dem Berliner Büro Staab Architekten und den beiden in Frankfurt ansässigen Büros Landes + Partner sowie Christoph Mäckler zu. Sie hatte die unabhängige Jury unter fünfzehn Beiträgen ausgesucht.

Das Gesamtensemble entsteht nach dem städtebaulichen Entwurf des Büros Michael A. Landes. Dieser zeichnet verantwortlich für die Wohnbebauung, den Cantate-Saal und den Hof. Die ABG FRANKFURT HOLDING plant, auf dem Grundstück etwa 28 Wohnungen zu errichten. Der Cantate-Saal bleibt erhalten und wird saniert.

Das Architekturbüro Christoph Mäckler Architekten plant nun das Deutsche Romantik-Museum. Die Juroren, die über die Pläne für den Museumsbau bei dem Architektenwettbewerb im vorigen Jahr zu befinden hatten, befürworteten seinen Entwurf, der „respektvoll“ mit der historischen Substanz der Nachbarschaft umgehe.

In einer Planungsgemeinschaft soll auf der Grundlage des funktional überzeugenden städtebaulichen Konzeptes des Büro Landes, mit der Gruppierung der drei Nutzungseinheiten, Romantik-Museum, Theater und Wohnen, um einen großzügigen Hof, das gesamt Ensemble realisiert werden. Aufgrund der im Detail stimmigen und überzeugenden Planung des Romantik-Museums im Entwurf von Prof. Mäckler, soll dieser im Rahmen den Planungsgemeinschaft die weitere Planung für den Teil des Museums übernehmen.

„Der architektonische Entwurf für das neue Museumsgebäude, den Christoph Mäckler in engem Kontakt mit den Verantwortlichen des Hochstifts entwickelt hat, entspricht unseren Vorstellungen. Wir freuen uns auf die Realisierung, die uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet“, sagte Anne Bohnenkamp-Renken.

Der Spatenstich für das Romantik Museum fand im Juni 2016 statt. Eröffnung ist für Frühjahr 2020 geplant. 

Gleichzeitig sollte der Eingangsbereich zum Goethehaus und zum Museumsneubau gestaltet werden. Es war den Wettbewerbsteilnehmern freigestellt, den Baubestand ganz oder teilweise zu erhalten und für die Umsetzung des Raumprogramms zu nutzen. Eine Ausnahme blieb der Cantate-Saal, der zwar nicht unter Denkmalschutz steht, jedoch nach Einschätzung des Denkmalamtes der Stadt denkmalwürdig ist. Dort spielt auch künftig das Theater „Fliegende Volksbühne“ von Michael Quast. Das innerstädtische Grundstück für den Wettbewerb ist etwa 2.500 Quadratmeter groß.

Ausgeschrieben hatte den Wettbewerb „Goethehöfe“ die ABG Frankfurt Holding in Abstimmung mit Bund, Land, Stadt und Freiem Deutschen Hochstift. Der Jury gehörten neben Bürgermeister Olaf Cunitz, Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts/Frankfurter Goethemuseum, Carl-L. von Boehm-Bezing, Vorsitzender des Verwaltungsausschusses des Freien Deutschen Hochstifts, und Frank Junker, der Vorsitzende der Geschäftsführung der ABG Frankfurt Holding, auch die Architekten Ferdinand Heide und Nikolaus Hirsch an.

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