Erweiterung des Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

 

Das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt wird umgebaut. Neben dem Masterplan II, der den Erweiterungsbau des Museums umfasst, erhalten mit dem Masterplan I auch die Wissenschaftler und die Sammlungen Senckenbergs neue Räume in den freigewordenen Gebäuden der „Alten Physik“ und der Goethe-Universität. Mit diesen beiden Vorhaben geht das „Projekt Senckenberg“ an den Start.

© Senckenberg - World of Biodiversity

Masterplan II
Senckenberg wird das Ausstellungskonzept des Naturmuseums in Frankfurt grundsätzlich überarbeiten und die Ausstellungsfläche erheblich erweitern. Bis zum 200-jährigen Jubiläum 2017 der Gesellschaft war eine weitgehende Umsetzung des sogenannten „Masterplan II“ zur Realisierung des Erweiterungsbaus geplant. „Naturmuseen erfüllen eine besondere Aufgabe. Sie können Handlungsweisen aufzeigen, die einen respektvollen Umgang mit der Erde ermöglichen – über Information, Präsentation, Interaktion und in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung“, so Präsident Dietmar Schmid. „Naturmuseen müssen in Zukunft aus der Flut von negativen wie auch positiven Informationen diejenigen herausfiltern, thematisieren und erklären, die relevant für die Gesellschaft und den einzelnen Menschen sind,“ fügt Generaldirektor Volker Mosbrugger hinzu.

Die Umsetzung des Masterplanes II sieht den Abriss eines Teils des südlichen Gebäudeflügels und des Museumssaals der Wale und Elefanten vor. Auf der Westseite des Senckenberg-Areals wird die Gesellschaft einen Museums-Erweiterungsbau errichten, so dass die gesamte Museumsfläche 12.000 bis 13.000 Quadratmeter betragen wird. Für den Neu- und Umbau sind zirka 56 Millionen Euro kalkuliert. Die Kosten der szenografischen Ausgestaltung belaufen sich auf etwa 11 Millionen und der Umbau des bestehenden Museums auf etwa zehn Millionen Euro. Diese Mittel müssen zu einem großen Teil aus Eigenmitteln der Gesellschaft und aus Spenden aufgebracht werden.

Die Konzeptionsphase ist Ende 2013 abgeschlossen, die Auswahl der Architekten und Planer erfolgte Ende 2014. Die anschließende Planungsphase endete Ende 2015.

Damit dieser museale Teil von „Senckenberg – World of Biodiversity“ Realität werden kann, wird ein neues integratives Museumskonzept entwickelt, das die Großthemen „Kosmos – Erde – Mensch – Zukunft“ abbilden soll.

Wie ist unsere Welt entstanden und was hält sie zusammen? Um diese Frage geht es im Bereich Kosmos: Die Entstehung der Materie und des Universums, die Entwicklung der Sonnensysteme und Planeten, Zeit- und Zeitmessung, Meteoriten, Weltraumwetter und Klimawandel aus dem All und die Eroberung des Weltraums sind die Themen dieses Ausstellungsteils. Ein wesentliches Element ist ein modernes Planetarium mit 150 Plätzen, das Senckenberg gemeinsam mit dem Physikalischen Verein betreiben wird.

Der Bereich Erde widmet sich der Kernfrage: Wie funktioniert unsere Umwelt und welche Rolle spielt der Mensch in ihr? Die Entwicklung des Systems „Erde-Leben“ in den letzten vier Milliarden Jahren steht hier im Zentrum. Anhand außergewöhnlicher Exponate wird gezeigt, dass Ozeane, Gebirge, Ressourcen, Biodiversität und Ökosysteme, Produkte einer komplexen Ko-Evolution von unbelebter und belebter Natur sind, bei der sich alle Bausteine der Natur gegenseitig beeinflussen. Erst vor diesem Hintergrund lassen sich Eingriffe des Menschen in seine Umwelt verstehen und Handlungsoptionen ableiten.

Die Fragen „Wer sind wir und woher kommen wir?“ thematisiert der Bereich Mensch. Erst vor sechs bis sieben Millionen Jahren haben sich die Entwicklungslinien von Menschenaffen und Menschen getrennt. Von den Schimpansen unterscheiden wir uns in weniger als 2 Prozent des Erbmaterials, und in unseren Gen-Sequenzen sind wir Europäer alle auch ein „bisschen Neandertaler“. Hier kann der Besucher sich selbst als eine biologische Art mit einer wohl dokumentierten Evolutionsgeschichte wahrnehmen, deren Biologie so gut erforscht ist, wie die keiner anderen Tierart.

„Was erwartet uns und was sollen wir tun?“ sind die Fragen der Zukunft. Ängste und Verunsicherung sind heute weitverbreitete Gesellschaftsphänomene. Der „Kontrollraum“, des „Museums der Zukunft“ zeigt, wo Parameter wie Kohlendioxidgehalt, Temperatur oder Bevölkerungsdichte heute stehen und in welche Richtung sie sich in Zukunft entwickeln werden. Hier lässt sich ablesen, wo Handlungsbedarf besteht, aber auch welche Erfolge erreicht werden können und wie sich die heutige Forschung bereits mit den Themen der Zukunft und einem „Erdsystemmangement“ auseinandersetzt.

„Das Naturmuseum will ein Ort sein, an dem unsere Beziehung zur Natur kultiviert wird“, bringt Mosbrugger die Vision auf den Punkt: „Für die Entwicklung Frankfurts zu einer Green City wäre das neue Senckenberg als international renommiertes Forschungsmuseum ein prestigeträchtiges Aushängeschild.“ Das Projekt Senckenberg ist der ambitionierte Plan, mit der Vorbereitung auf das neue Senckenberg Naturmuseum zugleich auch eine breit angelegte Debatte über den kulturellen Umgang mit Naturzusammenhängen einzuleiten. So wird schon während des Vorbereitungsprozesses das Ziel verfolgt, Senckenberg zu einem internationalen Knotenpunkt der Debatte um Biodiversität und Klimaschutz zu entwickeln.

Der Titel „Projekt Senckenberg“ signalisiert den offenen Prozess, in dem sich Senckenberg diesen zukünftigen Aufgaben stellt und soll gleichzeitig zum Mitdenken und Mitmachen einladen. Senckenberg baut seit 200 Jahren auf dieses Engagement der Bürgergesellschaft. Symbolisiert wird das Projekt in Gestalt eines Möbius-Bandes (Entdeckung des Leipziger Astronomen August Ferdinand Möbius, 1858), das sich zum mathematischen Zeichen für die Unendlichkeit formt. Auch das Leben auf der Erde ist eine unendliche Geschichte, die Senckenberg in seinem Museum darstellt und vermittelt. Die Breite des Farbspektrums des neuen Logos versinnbildlicht die Vielfalt des Lebens, die es auch in Zukunft zu erhalten gilt. Das Logo kommt erstmals in der Vorbereitung des Kongresses „Exhibit Nature & Explain Science“ zur Anwendung.

Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist eine traditionsreiche, von Bürgern Frankfurts 1817 gegründete Einrichtung, die sich der Naturforschung und der Vermittlung der Forschungsergebnisse durch Naturmuseen verschrieben hat. Ursprünglich nur am Standort Frankfurt vertreten, wo auch 1907 das Museum an der Senckenberganlage eröffnet wurde, trägt die Gesellschaft heute föderale Züge. Senckenberg ist an zehn Standorten in Deutschland mit Forschungseinrichtungen vertreten und betreibt in Frankfurt, Dresden und Görlitz insgesamt drei
Museen
. International gehört die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zu den weltweit führenden Einrichtungen für Biodiversitätsforschung.

Unter dem Titel „Die Welt baut ihr Museum“ möchte Senckenberg Spender für das Projekt begeistern. Alle Informationen zum Umbauprojekt und darüber, wie Sie online spenden und helfen können, finden Sie unter www.die-welt-baut-ihr-museum.de.
 

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