Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums

 

Im Februar 2012 hat die Stadtverordnetenversammlung die Erweiterung und Sanierung des Jüdischen Museums am Museumsufer in Frankfurt beschlossen. Der daraufhin ausgeschriebene Architekturwettbewerb zur Realisierung wurde im Dezember desselben Jahres entschieden. Das Preisgericht vergab zwei zweite Preise à 25.000 EURO und einen dritten Preis à 20.000 EURO. Das Preisgericht würdigte zudem drei weitere Entwürfe mit Anerkennungen à 10.000 EURO. Die zweiten Preise erhielten Staab Architekten GmbH (Berlin) und Töpfer Bertuleit Architekten (Berlin). Den dritten Preis erhielt Gerkan, Marg und Partner (gmp) Generalplanungsgesellschaft mbH (Berlin). Anerkennungen erhielten die Büros Sunder-Plasmann Architekten (Kappeln), Diener und Diener Architekten (Basel) und AFF-Architekten (Berlin).

Jüdisches Museum Frankfurt: Visualisierung Außenansicht © Staab Architekten

Das Preisgericht aus Architekten, Stadtplanern sowie Vertretern von Politik, Kultur und Jüdischer Gemeinde tagte unter Vorsitz von Max Dudler und beurteilte 19 Entwürfe von international renommierten Architekten, aber auch hervorragenden jungen Büros. Die Stadt Frankfurt, Dezernat Kultur und Wissenschaft, legte als Auslober des Realisierungswettbewerbs bei der Ausschreibung besonderen Wert auf eine sensible Verknüpfung des Erweiterungsbaus mit dem denkmalgeschützten klassizistischen Gebäudeensemble. Außerdem musste die in unmittelbarer Nähe liegende Wallanlage in die Planung der Gesamtanlage sinnvoll einbezogen werden. Die Sanierung der Altbauten soll eine Neuordnung der Dauerausstellung ermöglichen, insbesondere in Hinblick auf eine neue Besucherführung. Der Eingangsbereich des Museums soll in den Erweiterungsbau verlegt werden. Zum Raumprogramm des Erweiterungsbaus gehören neben Flächen für Wechselausstellungen ein Vortragsraum, eine Bibliothek, ein angeschlossenes Archiv sowie ein Café, ein Museumsshop und Werkstätten.

Es handelte sich um einen nicht offenen Wettbewerb mit vorgeschaltetem qualifizierten Auswahlverfahren. Die Beauftragung ist über ein nachgeschaltetes Verfahren nach der Vergabeordnung für freiberufliche Dienstleistungen (VOF) an einen der drei Preisträger erfolgt. Das Wettbewerbsverfahren wurde von der MuseumsBausteine Frankfurt GmbH im Auftrag der Stadt Frankfurt durchgeführt und von der Stadtbauplan GmbH, Darmstadt begleitet.

Das Büro Staab Architekten GmbH aus Berlin errichtet den Erweiterungsbau des Jüdischen Museums. Das Auswahlgremium, bestehend aus Architekten, Stadtplanern sowie Vertretern von Politik, Kultur und Jüdischer Gemeinde, hat einen Entwurf gewählt, der die städtebauliche Bezüge aufnimmt und behutsam mit seiner Umgebung umgeht. 

Die neue Museumsdirketorin Dr. Mirjam Wenzel sagt: „Mit der Sanierung und dem Erweiterungsbau erhält die bedeutende jüdische Geschichte und Kultur Frankfurts ein neues Zentrum. Ich freue mich, das neue Jüdische Museum mit gestalten und an diese Tradition anknüpfen zu können."

Der Entwurf von Staab bezieht die Wallanlage ein, indem durch die Schrägstellung eine künstliche Hofsituation erzeugt wird. Der dreigeschossige Anbau schließt die Hochstraße mit einem dritten Baukörper. Er steht eigenständig und selbstbewusst neben dem Rothschild-Palais. Gleichzeitig kommunizieren beide Bauwerke durch die helle Farbgebung – die Fassade des Neubaus wird aus geschliffenem hellem Sichtbeton sein und harmoniert so mit der hellen Putzfassade des Altbaus. Auch durch die Dachschräge nehmen die Bauten Bezug aufeinander.

Das Besondere der Arbeit des Büros Staab ist der weitläufige Blick. Die wenigen großen Fensteröffnungen des Ausstellungshauses sind so positioniert, dass der Ausblick oder Einblick wie ein Gemälde an der Wand gerahmt erscheint.

Der Entwurf zeichnet sich auch dadurch aus, dass das flexible Raumprogramm im Bereich der Wechselausstellungen adäquate Flächen für die Präsentation derselben vorsieht. Die Nutzung kann im Ganzen aber auch zwei- oder dreigeteilt erfolgen. Der Vortragsraum liegt im Erdgeschoss und kann bedarfsorientiert ins Foyer verlängert oder geschlossen werden. Durch die angeschlossene Gastronomie gelingt der Spagat als Ort der Vermittlung und der Kommunikation. Die Dauerausstellung ist weiterhin in den Obergeschossen des Altbaus zu finden.

Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat in seiner Sitzung am Freitag, 29. Mai 2015, die Bau- und Finanzierungsvorlage für die Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums beschlossen. Auf Grundlage der Planung der Staab Architekten GmbH aus Berlin konnte eine detaillierte Kostenberechnung für die Sanierung der Bestandsbauten und für den Erweiterungsbau erstellt werden. Der Spatenstich erfolgte am 3. Dezember 2015. Richtfest war am 7. März 2018.

27 Jahre nach der Eröffnung des Ausstellungshauses im Rothschild-Palais und 23 Jahre nach der Eröffnung des Museum Judengasse verwirklicht das Jüdische Museum Frankfurt eine neue Ausstellungskonzeption, für die eine Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums unabdingbar ist. Dieser Beschluss ermöglicht neben einem zeitgemäßen Museumsbetrieb, dass das Jüdische Museum sich neuen Aufgaben widmen kann. Das neue Jüdische Museum wird sowohl die Sammlung der Familie Frank präsentieren, als auch das ergänzende Programm zur Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle. Es entsteht ein neuartiges Zentrum jüdischer Geschichte und Kultur. Erstmals werden sowohl 800 Jahre jüdische Geschichte in einer europäischen Perspektive als auch die herausragenden Zeugnisse der jüdischen Stadtgeschichte, die sich aus dem Rothschild-Palais, den archäologischen Resten der Judengasse und dem mittelalterlichen Friedhof zusammensetzen, in einen Kontext gesetzt. Zurzeit wird die Feinkonzeption für die neue Dauerausstellung im Rothschild-Palais, die unmittelbar auf der Neukonzeption der Dauerausstellung im Museum Judengasse aufbaut, von Wissenschaftlern und Museografen gemeinsam erarbeitet.

Die Dauerausstellung des Jüdischen Museums nimmt rund 1.500 Quadratmeter der Bestandsgebäude ein und gliedert sich in drei Teile, verteilt auf drei Ebenen. Beginnend auf der dritten Ebene erkundet sie in einem historischen Überblick zunächst verschiedene Aspekte der Frankfurter jüdischen Geschichte von 1800 bis heute und setzt damit die Ausstellung im Museum Judengasse fort, die Geschichte und Kultur der Frankfurter Juden vom Mittelalter bis zum Ende des Ghettos um 1800 thematisiert.

Anschließend gelangen die Besucher über das historische Treppenhaus auf die zweite Ebene: Hier zeigt die Ausstellung sowohl die Kunst- als auch die in Europa einzigartige Judaica-Sammlung in eigenen, den Objekten angemessenen Präsentationen. Auf der ersten Ebene erwartet die Besucher eine Ausstellung zur Geschichte jüdischer Familien, wobei die beiden berühmtesten Frankfurter Familien, die Rothschilds und die Franks, jeweils eigene große Abteilungen erhalten.

Das Museum mit seinem Archiv und seiner Bibliothek wird ein Ort der Forschung sein; Ausstellungen, Kinderwerkstatt und Veranstaltungsräume werden ein regionales ebenso wie ein breites internationales Publikum ansprechen, das sich an diesem Ort mit Geschichte und Gegenwart des Judentums auseinandersetzen kann.

Die neuen Räume der Wechselausstellung liegen im Untergeschoß des Neubaus und werden über eine großzügige Treppe vom unteren Foyer aus erschlossen. Es ist geplant, zwei bis vier Wechselausstellungen im Jahr zu zeigen. Die Größe der Räume und der hohe konservatorische Standard werden dabei in erheblich größerem Ausmaß als bisher Kooperationen mit den Jüdischen Museen in den USA, Israel oder in verschiedenen europäischen Ländern ermöglichen. Die kleineren Kabinette bieten auch die Chance, wertvolle Teile der eigenen Sammlung, die nicht in der Dauerausstellung präsentiert werden, in kleineren Ausstellungen zu zeigen.

Die Höhe der Kosten der gesamten Neubau- und Sanierungsarbeiten für das Jüdische Museum inklusive der Neuausstattung des Museums Judengasse in Höhe von 3.250.000 Euro sind nach wie vor auf 50 Millionen Euro begrenzt.

Am 27.11.15 hat das Land Hessen den Antrag auf Kofinanzierung der Ausstattung, der Museografie, für die Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums in Höhe von 2 Millionen Euro bewilligt.  Von den Kosten der Ausstattung sollen vom Land insbesondere der Anteil der im Rothschildpalais gelegenen sogenannten Familienräume sowie die Museografie für die Präsentation der Judaica gefördert werden.

Das Jüdische Museum ist seit dem 19. Juli 2015 geschlossen und wird Ende 2019 sowohl mit dem sanierten Altbau als auch mit dem Erweiterungsbau wiedereröffnen.

In einem ersten Schritt dieses Gesamtprojekts war das Museum Judengasse geschlossen. Dort wird sich dem Besucher nach Renovierung und Neugestaltung seit dem 20.03.2016 ein gänzlich neuer Zugang zur Geschichte und Kultur der Juden Frankfurts im Mittelalter und der frühen Neuzeit eröffnet. Erstmals werden dabei Gemälde, Ritualobjekte, Alltagsgegenstände, Bücher und Dokumente aus der Zeit der Frankfurter Judengasse in den archäologischen Funden gezeigt werden. Der Haupteingang wurde von der Kurt-Schumacher-Straße in Richtung Neuer Börneplatz und Friedhof verlegt. Dadurch wird der historische Zusammenhang des Museums Judengasse mit der Gedenkstätte für die aus Frankfurt deportierten und ermordeten Juden am Börneplatz sowie dem benachbarten alten jüdischen Friedhof Battonnstraße besser erfahrbar. Auch der bis mindestens ins 13. Jahrhundert zurückgehende jüdische Friedhof, der in den vergangenen 20 Jahren gründlich wissenschaftlich aufgearbeitet wurde, wird so als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Stadt dem Publikum neu erschlossen.

„Stein für Stein zum neuen Haus – Sie spenden, wir verdoppeln“. Unter diesem Motto lancierten die Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Bethe-Stiftung, Köln, eine Spendenkampagne, um durch private Spenden die Finanzierung des geplanten Erweiterungsbaus und die Erneuerung der Dauerausstellung zu sichern.

Markenzeichen der Spendenverdoppelungsaktion war ein Puzzlestein. Denn jede Spende leistete wie ein einzelner Stein in einem Puzzlespiel einen wertvollen Beitrag, um das Gesamtbild zu vervollständigen. Das besondere an der Aktion: Auch kleine Spenden konnten Großes bewirken. Denn die private Bethe-Stiftung Köln verdoppelte jede Spende, die in der Zeit vom 5. Februar 2014 bis 4. Mai 2014 einging. Damit engagierte sich die Bethe-Stiftung bereits zum zweiten Mal für das Jüdische Museum. Schon für den Ankauf zweier Bilder von Jakob Nussbaum hatte die Stiftung die im Rahmen einer Spendenaktion in der Frankfurter Bürgerschaft eingeworbenen Spenden verdoppelt.

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